Growth Strategie Guide
Wie du Growth Aktien findest, bewertest und einen möglichen Ausstieg findest.
Vervielfache dein Kapital, statt es nur zu verwalten. In diesem Deep-Dive erfährst du, warum das klassische KGV bei Tech-Werten versagt und wie du mit dem PEG-Ratio und der „Rule of 40“ die Gewinner von morgen mathematisch sauber herausfilterst.
Willst du dein Kapital bewahren oder willst du es vervielfachen? Wenn deine Antwort „vervielfachen“ lautet, bist du hier richtig. Growth Investing ist die Formel 1 des Börsenhandels. Es ist laut, es ist schnell, und es ist riskant. Aber wer das Fahrzeug beherrscht, kommt als Erster ins Ziel.
Wir schreiben Januar 2026. Die Märkte haben sich durch KI-Disruption, Biotech-Durchbrüche und Energiewende massiv verändert. Alte Bewertungsmodelle greifen oft nicht mehr. Wer heute blindlings „irgendwas mit Tech“ kauft, verliert Geld. Wer aber systematisch vorgeht, mathematisch bewertet und psychologisch stabil bleibt, für den bietet das aktuelle Marktumfeld historische Chancen.
Dieser Guide ist kein theoretisches Lehrbuch. Er ist dein praktischer Bauplan. Du lernst, wie du echte Wachstumsperlen (Tenbagger) identifizierst, wie du sie bewertest und wie du mögliche Gründe für den Ausstieg erkennst.
- Growth Strategie: Das Wichtigste in Kürze
- Was ist eine Growth Strategie?
- Woran erkennt man eine gute Growth Aktie?
- Wie bewertet man Growth Aktien?
- Wie kann man eine Growth Strategie mit ETFs umsetzen?
- Wie setzt du die Growth Strategie mit Einzelaktien um?
- Exit-Strategie: Wann verkaufen?
- Fazit
- Häufig gestellte Fragen zur Growth Strategie
Growth Strategie: Das Wichtigste in Kürze
Fokus
Auswahl
Bewertung
ETFs
Einzelaktien
Risiko
Was ist eine Growth Strategie?
Eine Growth Strategie ist ein Investmentansatz, der sich auf Unternehmen konzentriert, deren Umsatz und Gewinn deutlich schneller wachsen als der Durchschnitt der Gesamtwirtschaft.
Während Value-Investoren nach unterbewerteten Substanzwerten suchen („den Dollar für 50 Cent kaufen“), wetten Growth-Investoren auf die Zukunft. Der Gewinn von heute ist zweitrangig. Es geht um die Marktführerschaft und die Cashflows in 5 bis 10 Jahren. Die Wette lautet: Das Unternehmen wächst so schnell in einen neuen Markt hinein, dass die heutige, oft optisch teure Bewertung rückblickend als Schnäppchen erscheint.
Der Unterschied zu Value
Stell dir vor, du hast zwei Bauernhöfe zur Auswahl.
- Der Value-Hof wirft jedes Jahr stabil Ernte ab, die Gebäude sind alt, aber bezahlt. Du kaufst ihn, weil der Preis günstig ist im Vergleich zum Ertrag.
- Der Growth-Hof ist noch klein, kauft aber gerade alle umliegenden Felder auf und investiert in modernste Erntemaschinen. Er macht noch keinen Gewinn, weil alles reinvestiert wird. Du kaufst ihn, weil du glaubst, dass er in 10 Jahren der größte Agrar-Konzern der Region sein wird.
Warum Growth funktioniert
Aktienkurse folgen langfristig den operativen Ergebnissen. Wenn ein Unternehmen seinen Umsatz über 10 Jahre verzehnfacht, wird sich in der Regel auch der Aktienkurs vervielfachen – sofern die Bewertung (das Multiple) nicht kollabiert. Growth Investing nutzt den Zinseszinseffekt auf Unternehmensebene.
Der Strategie-Steckbrief: Growth
| Kriterium | Beschreibung |
| Profil | Chancen-Orientiert. Fokus auf überdurchschnittliches Umsatzwachstum und Zukunftsmärkte. |
| Empfohlene Anzahl | 15 – 25 Aktien. (Notwendig, da die Ausfallrate hoch ist und wenige „Tenbagger“ die Performance treiben müssen). |
| Zeitaufwand | Sehr Hoch. Tiefes Verständnis von Technologie, Produkten und Marktpotenzial ist zwingend erforderlich. |
| Haupt-Risiko | Volatilität. Extreme Kursschwankungen (+/- 50 %) und Bewertungs-Crashs, wenn das Wachstum nachlässt. |
| Mindset | Nerven aus Stahl. Du musst massive Buchverluste aushalten können, ohne panisch zu verkaufen. |
Woran erkennt man eine gute Growth Aktie?
Nicht jedes Unternehmen, das Verluste schreibt und eine gute Story erzählt, ist eine Growth-Aktie. Echte Gewinner („Highflyer“) erkennst du an einer Kombination aus qualitativem Potenzial und quantitativer Stärke.
1. Das Marktpotenzial (TAM)
TAM steht für Total Addressable Market. Eine gute Growth-Aktie muss in einem Markt operieren, der groß genug ist, um jahrelanges Wachstum zu ermöglichen.
Beispiel: Ein Unternehmen, das eine Nischen-Software für linkshändige Zahnärzte in Norddeutschland herstellt, hat einen zu kleinen TAM. Ein Unternehmen, das Cloud-Security für globale Konzerne anbietet, hat einen gigantischen TAM.
2. Der Burggraben (Moat)
Wachstum zieht Konkurrenz an wie Licht die Motten. Gute Growth-Aktien haben Schutzmechanismen:
- Netzwerkeffekte: Je mehr Nutzer, desto wertvoller (z. B. Social Media, Marktplätze).
- Hohe Wechselkosten: Kunden können nicht einfach kündigen, weil die Software tief integriert ist (z. B. ERP-Systeme).
- Technologischer Vorsprung: Patente oder proprietäre Daten (z. B. Biotech, KI-Modelle).
3. Skalierbarkeit
Das Geschäftsmodell muss skalieren. Das bedeutet: Der Umsatz steigt deutlich schneller als die Kosten. Software ist das Paradebeispiel. Den Code einmal zu schreiben kostet Millionen. Ihn an den millionsten Kunden zu verkaufen, kostet fast nichts. Dienstleister oder klassische Industrie skalieren oft schlechter, da sie für mehr Umsatz auch mehr Maschinen oder Personal brauchen.
Wie bewertet man Growth Aktien?
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Growth hat einen Preis. Du zahlst heute eine hohe Prämie für Hoffnungen. Wird die Hoffnung enttäuscht, stürzt der Kurs ab. Das nennt man Multiple Compression (Die Bewertungsluft entweicht). Aber woran erkennst du solche potenziellen Tenbagger? Nutze folgende Bewertungs-Werkzeuge.
1. Die konservative Methode: GARP (Growth At A Reasonable Price)
Peter Lynch verwaltete den legendären Magellan Fund. Sein Ansatz war GARP. Er kaufte keine unprofitablen Luftschlösser, sondern Firmen, die schnell wachsen, aber noch nicht völlig überteuert sind.
Das Werkzeug: Das PEG-Ratio
Das normale KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist bei Wachstumsaktien oft irreführend. Ein KGV von 30 wirkt teuer, ein KGV von 10 billig. Aber wenn die Firma mit KGV 30 ihren Gewinn jedes Jahr verdoppelt, ist sie eigentlich spottbillig.
Um das vergleichbar zu machen, setzen wir den Preis ins Verhältnis zum Wachstum.
Die Formel lautet:
Hinweis: Nutze für das Wachstum idealerweise die erwartete Wachstumsrate der nächsten 3–5 Jahre (CAGR).
Die Bewertungs-Skala:
- PEG < 1: Schnäppchen! (Kaufsignal). Das Unternehmen wächst schneller, als die Bewertung vermuten lässt.
- PEG = 1: Fair bewertet. (Halten/Kaufen). Du zahlst einen fairen Preis für das Wachstum.
- PEG > 2: Teuer. (Vorsicht). Hier ist schon sehr viel Optimismus eingepreist.
- PEG > 4: Blase. (Verkaufssignal).
Beispiel-Rechnung:
- Aktie A (Langweiler): KGV 15, wächst mit 5 %. -> $15 / 5 = 3,0$. (Zu teuer für das miese Wachstum).
- Aktie B (Highflyer): KGV 50, wächst mit 50 %. -> $50 / 50 = 1,0$. (Fair bewertet, trotz hohem KGV!).
- Aktie C (Chance): KGV 20, wächst mit 40 %. -> $20 / 40 = 0,5$. (Strong Buy).
2. Die Tech-Methode: High Growth Investing (HGI)
In der modernen Software-Welt (SaaS, Cloud, Cyber-Security) funktioniert das KGV oft nicht, weil die Firmen bewusst Verluste machen. Sie stecken jeden Cent in Marketing, um Kunden zu gewinnen („Land & Expand“). Wie bewertest du eine Firma ohne Gewinn? Hier nutzen wir die Rule of 40 und die Bruttomarge.
A. Die Rule of 40 (Effizienz-Check)
Diese Regel besagt: Ein Software-Unternehmen ist gesund, wenn die Summe aus Wachstum und Cashflow-Marge mindestens 40 ergibt. Sie balanciert Gier (Wachstum) und Vernunft (Profitabilität).
Szenarien:
- Szenario 1: Hyper-Growth (Die Rakete). Umsatz wächst um 60 %. Die Firma verbrennt dabei Geld (Marge -10 %). -> $60 + (-10) = 50$. Urteil: Bestanden (> 40). Das Wachstum ist so hoch, dass der Verlust akzeptabel ist.
- Szenario 2: The Compounder (Die Gelddruckmaschine). Umsatz wächst „nur“ um 15 %. Dafür ist die Firma hochprofitabel (Marge 30 %). -> $15 + 30 = 45$. Urteil: Bestanden (> 40). Ein gesundes Qualitätsunternehmen.
- Szenario 3: Die Todeszone (The Trap). Umsatz wächst um 20 %. Die Firma macht 0 % Marge. -> $20 + 0 = 20$. Urteil: Durchgefallen. Die Firma wächst zu langsam dafür, dass sie kein Geld verdient. Finger weg!
B. Die Bruttomarge (Gross Margin)
Das ist der Filter für das Geschäftsmodell. Wieviel vom Umsatz bleibt übrig, bevor Marketing und Verwaltung bezahlt werden?
Ziel: Bei Software-Firmen muss die Bruttomarge > 70 % sein.
Warum? Nur wenn die Herstellung des Produkts (Software-Code kopieren) fast nichts kostet, kann die Firma später, wenn sie das Marketing zurückfährt, massive Gewinne einfahren. Ist die Bruttomarge niedrig (z.B. 30 %), skaliert das Modell nicht.
3. Der HGI-Score (Die Bewertungstabelle)
Um das Risiko zu minimieren und Emotionen auszuschalten, bewerten wir Growth-Aktien streng nach Punkten. Dieses Schema ist an den HGI-Index von Stefan Waldhauser angelehnt, aber für das Marktumfeld 2026 optimiert.
- Das System: Es sind maximal 10 Punkte möglich.
- Die Regel: Wir kaufen erst ab 7–8 Punkten. Alles darunter ist entweder zu teuer oder qualitativ zu schwach.
Nimm dir den aktuellen Quartalsbericht (oder Tools wie Marketscreener/Aktienfinder) und gehe die Checkliste durch:
Block 1: Wachstum & Bewertung (Der Motor) – 4 Punkte
Hier prüfen wir, ob die Maschine läuft und ob der Preis dafür gerechtfertigt ist.
- Rule of 40 Score:Addiere Umsatzwachstum (%) und Free-Cashflow-Marge (%).
- Ist der Wert > 40? → 1 Punkt
- (Ist er < 40, wächst die Firma ineffizient.)
- Umsatzwachstum (Hurdle Rate):Wächst der Umsatz schneller als 20 % p.a.?
- Ja (> 20 %) → 1 Punkt
- (Wachstum unter 20 % ist für diese Strategie meist zu langsam, um die hohe Bewertung zu stützen.)
- Bewertungs-Check (EV/Sales):Teile den Unternehmenswert (Enterprise Value) durch den Umsatz. Ist das Ergebnis kleiner als das
Umsatzwachstum × 0,3?- Faustformel: Ein Unternehmen, das 20 % wächst, darf ein Multiple von ca. 6 haben. Wächst es 50 %, darf das Multiple 15 sein.
- Ist es nach dieser Formel günstig? → 1 Punkt
- PEG Ratio (Fair Value):Ist die Bewertung im Verhältnis zum Gewinnwachstum fair?
- PEG < 2 → 1 Punkt
- (Ein PEG über 2 deutet darauf hin, dass bereits zu viel Optimismus eingepreist ist.)
Block 2: Qualität des Geschäfts (Der Burggraben) – 3 Punkte
Wachstum ist gut, aber Sicherheit ist besser. Diese Filter schützen dich vor der Pleite.
- Bruttomarge (Gross Margin):Liegt die Gross Margin über 70 %?
- Ja → 1 Punkt
- (Nur hohe Bruttomargen erlauben spätere Skalierung zu massiven Gewinnen. Hardware oder Dienstleistung liegen oft darunter.)
- Verschuldung (Der Zins-Killer):Hat das Unternehmen mehr Cash als Schulden (Net Cash)?
- Ja → 1 Punkt
- (Wichtig: Unprofitable Firmen dürfen keine hohen Schulden haben. Steigende Zinsen oder Refinanzierungsprobleme können sie sonst sofort töten.)
- Churn Rate (Kunden-Treue):Erweiterung für 2026: Ist die Net Dollar Retention Rate > 110 %? (Das bedeutet, Bestandskunden geben jedes Jahr mehr aus).
- Ja → 1 Punkt
Block 3: Trend & Momentum (Das Timing) – 3 Punkte
Fundamentaldaten sagen dir, was du kaufen sollst. Der Trend sagt dir, wann.
- Chart-Trend:Notiert die Aktie über ihrer 200-Tage-Linie?
- Ja → 1 Punkt
- (Kaufe nie in ein fallendes Messer, egal wie billig es wirkt.)
- Earnings Surprise:Hat das Unternehmen bei den letzten Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten geschlagen?
- Ja → 1 Punkt
- (Gewinner gewinnen meist weiter. Wer Erwartungen verfehlt, wird abgestraft.)
- Management Skin in the Game:Hält der Gründer/CEO noch signifikante Anteile (> 5 %) am Unternehmen?
- Ja → 1 Punkt
- (Er soll mit uns im selben Boot sitzen und nicht nur Gehalt beziehen.)
Auswertung
- 0 – 4 Punkte: Sell / Ignore. (Müll oder gefährliche Hype-Aktie).
- 5 – 6 Punkte: Watchlist. (Gute Firma, aber zu teuer oder im Abwärtstrend).
- 7 – 8 Punkte: Buy. (Erste Position eröffnen).
- 9 – 10 Punkte: Strong Buy. (Hier passt alles – Aggressiv nachkaufen).
4. Das Risiko: Die Bewertungsfalle (Multiple Compression)
Das ist der wichtigste Absatz in diesem ganzen Artikel. Lies ihn zweimal. Das Verständnis von Multiple Compression unterscheidet die Profis von den Amateuren, die im nächsten Crash ihr Depot schrotten.
Der Aktienkurs ergibt sich immer aus dieser Formel:
Das Horror-Szenario
Du kaufst eine gehypte Aktie. Sie ist mit dem 50-fachen Umsatz (Multiple = 50) bewertet, weil alle glauben, sie wächst ewig mit 50 % pro Jahr. Das Unternehmen liefert perfekt.
Doch dann meldet die Firma plötzlich: „Wir wachsen dieses Jahr ’nur‘ noch mit 20 %.“
Das ist immer noch gut. Der Umsatz steigt weiter. Die Firma wird größer.
Aber: Der Markt ist enttäuscht. Er sagt: „Für 20 % Wachstum zahle ich keine Fantasie-Preise mehr. Ich zahle nur noch den 10-fachen Umsatz.“
Was passiert mit deinem Geld? Schau dir die Mathematik des Crashs an:
| Szenario | Umsatz der Firma | Bewertung (Multiple) | Aktienkurs |
| Start (Kauf) | 100 Mio. € | 50x | 5.000 Mio. € |
| 1 Jahr später | 120 Mio. € (+20%) | 10x (Neubewertung) | 1.200 Mio. € |
| Ergebnis | Firma ist gewachsen | Bewertung geplatzt | -76 % Verlust |
Die bittere Realität:
Obwohl die Firma operativ erfolgreich war und den Umsatz gesteigert hat, hast du fast 80 % deines Geldes verloren. Warum? Weil die Bewertungsluft (das Multiple) schneller entwichen ist, als der Umsatz wachsen konnte.
Die Lösung
Kaufe niemals Aktien, wo die Bewertung „Perfektion“ voraussetzt.
- Sicherheitsgurt: Nutze den HGI-Score (siehe oben). Er zwingt dich, Aktien mit zu hohem EV/Sales-Multiple liegenzulassen.
- PEG-Ratio: Prüfe immer, ob das KGV zum Wachstum passt.
- Exit: Wenn sich das Wachstum strukturell verlangsamt, musst du verkaufen, bevor das Multiple komplett kollabiert. Hoffen ist keine Strategie.
Wie kann man eine Growth Strategie mit ETFs umsetzen?
Du hast keine Zeit für Bilanzen? Kein Problem. Mit ETFs kannst du die Growth-Strategie sehr effizient, kostengünstig und diversifiziert umsetzen. Hier ist der aktuelle Stand für Januar 2026.
Die Basis-Strategie (Core) – 80 % des Portfolios
Statt auf den breiten MSCI World (der viel „toten Ballast“ und langsam wachsende Branchen enthält), setzt du auf Indizes, die Wachstumsfilter integriert haben.
- Nasdaq 100 ETF: Der Klassiker. Er enthält die 100 wichtigsten Nicht-Finanz-Unternehmen der Nasdaq. Da Banken oft nur langsam wachsen, ist ihr Ausschluss ein Feature, kein Bug. Auch 2026 ist dieser Index das Maß aller Dinge für Tech-Growth.
- MSCI World Growth ETF: Dieser Index filtert aus den Industrieländern nur die Unternehmen heraus, die hohe Wachstumsraten (EPS und Umsatz) aufweisen. Er performt in Bullenmärkten oft besser als der Standard-Index, schwankt aber auch stärker.
Die Satelliten-Strategie (Themen-ETFs 2026) – 20 % des Portfolios
Um den Turbo zu zünden, kannst du einen kleineren Teil deines Kapitals in spezifische Megatrends investieren, die 2026 gerade an Fahrt aufnehmen.
- Cloud Computing & AI Infrastructure: Software ist weiterhin King, aber die Infrastruktur (Rechenzentren, Spezial-Chips) ist das Rückgrat der KI-Wirtschaft. Achte auf ETFs, die Firmen wie Data-Center-Betreiber und Hardware-Zulieferer enthalten.
- Biotech & Genomics: Durch KI-gestützte Forschung (AlphaFold Nachfolger) erleben wir 2026 eine Renaissance in der Medikamentenentwicklung. Ein entsprechender ETF deckt das extrem hohe Risiko von Einzelaktien in diesem Sektor ab.
- Cyber Security: Da Cyber-Angriffe nun KI-gesteuert und automatisiert ablaufen, ist Security kein „Nice-to-have“, sondern „Utility“ (lebenswichtig wie Strom und Wasser) für jede Firma.
Wichtig: Achte bei Themen-ETFs auf eine niedrige Kostenquote (TER < 0,50 %) und ein Fondsvolumen von mindestens 100 Mio. USD/EUR, um Liquidität zu sichern.
Praxis-Tipp: Das Growth-Musterdepot
So könnte eine konkrete Verteilung aussehen, um Risiko und Chance zu balancieren:
| Baustein | Gewichtung | Funktion |
| Nasdaq 100 (Thesaurierend) | 50 % | Der Wachstumsmotor (USA-Fokus) |
| MSCI World Growth | 30 % | Die globale Diversifikation |
| Thema 1 (z. B. AI Infra) | 10 % | Die Sektor-Wette |
| Thema 2 (z. B. CyberSec) | 10 % | Die Absicherung |
Wie setzt du die Growth Strategie mit Einzelaktien um?
Willst du den Markt schlagen, musst du konzentrierter wetten. Ein Growth-Portfolio aus Einzelaktien ist Arbeit, bietet aber die größte Chance auf Überrendite. Hier ist dein Bauplan für ein branchenübergreifendes Portfolio, angepasst an die Realität im Januar 2026.
1. Die Portfolio-Struktur (Das Gerüst)
- Anzahl:15 – 25 Aktien.
- Grund: Die Ausfallrate bei Growth ist hoch. Du brauchst genug Positionen, damit ein Totalverlust dich nicht ruiniert, aber wenige genug, damit die 2–3 „Tenbagger“ (Aktien, die sich verzehnfachen) die Performance des gesamten Portfolios nach oben ziehen.
- Gewichtung: Starte mit gleichen Positionen (z. B. 4 % pro Aktie).
- Regel: Lass Gewinner laufen, verkaufe Verlierer. Re-balance nicht zu früh, sonst schneidest du deine besten Pferde ab.
- Sektor-Limit: Investiere maximal 30 % deines Kapitals in einen einzelnen Sektor (z. B. Software). So verhinderst du, dass eine Branchen-Korrektur dein ganzes Depot zerreißt.
2. Mögliche Sektoren für 2026
Wo fließt das Geld hin? Wir konzentrieren uns auf diese vier Megatrends:
A. Applied AI & Software (Die Effizienz-Maschinen)
2023–2025 ging es um die Hardware (Chips). 2026 geht es um die Anwendung. Suche nach Software-Firmen (SaaS), die KI nutzen, um ihre Preise zu erhöhen oder Personal einzusparen, und dadurch ihre Margen massiv ausweiten.
- Der Filter: Rule of 40 Score > 50 UND Gross Margin > 80 %.
B. Green Energy Storage & Grid (Die Infrastruktur der Wende)
Solar und Wind sind etabliert. Das große Geld wird 2026 dort verdient, wo der Engpass liegt: Speichertechnologie (Next-Gen Batterien, Wasserstoff für Industrie) und intelligente Stromnetze (Smart Grids).
- Der Filter: Umsatzwachstum > 30 % UND Partnerschaften mit Regierungen/Versorgern.
C. FinTech & DeFi (Das neue Geld)
Klassische Banken verlieren weiter an Boden, da sie zu langsam und teuer sind. Suche nach Plattformen, die Zahlungsabwicklung, Kredite und Vermögensverwaltung rein digital und automatisiert anbieten.
- Der Filter: PEG Ratio < 1.5 UND schnell wachsende Nutzerbasis (User Growth).
D. Robotic & Automation
Durch den demografischen Wandel (Arbeitskräftemangel) sind Roboter zwingend notwendig – nicht nur in der Fabrik, sondern in der Logistik, Landwirtschaft und Pflege.
- Der Filter: Marktführerschaft in einer Nische UND hohe wiederkehrende Umsätze (durch Wartung/Software-Abos).
3. Checkliste vor dem Kauf (Dein Investment-Komitee)
Bevor du auf „Kaufen“ drückst, muss die Aktie diesen Prozess durchlaufen. Keine Ausnahmen!
- Screening: Nutze Tools wie Aktienfinder, Koyfin oder Marketscreener. Filtere hart nach Umsatzwachstum > 20 % (letzte 3 Jahre).
- Qualitäts-Check: Lies den letzten Quartalsbericht. Verstehst du das Produkt? Hat das Management „Skin in the Game“ (hält der CEO selbst Aktien)?
- Bewertung: Berechne das PEG-Ratio oder den HGI-Score (siehe Kapitel 3). Ist die Aktie mathematisch kaufbar oder reine Fantasie?
- Chart-Technik: Kaufe nicht im freien Fall. Warte auf eine Bodenbildung oder ein neues Allzeithoch (Ausbruch). Trendfolger gewinnen öfter als Schnäppchenjäger.
Exit-Strategie: Wann verkaufen?
Bei Growth-Aktien ist der Exit überlebenswichtig, da es keine Dividende gibt, die das Warten versüßt. Viele Investoren machen riesige Gewinne, geben sie aber im Abschwing wieder ab.
- Strukturelle Verlangsamung: Die Firma wächst nur noch mit 10 % statt wie gewohnt mit 30 %, wird aber nicht profitabler. Die Wachstums-Story ist vorbei -> Sofort verkaufen (Gefahr der Multiple Compression).
- Thesis Drift: Das Management ändert plötzlich die Strategie oder das Geschäftsmodell, weil das ursprüngliche Produkt nicht mehr zieht. Das ist ein neues Investment mit unbekanntem Ausgang. Im Zweifel: Verkaufen.
- Rule of 40 Bruch: Fällt der Score (Wachstum + Marge) dauerhaft unter 30, verbrennt die Firma ineffizient Geld. Das wird in Phasen hoher Zinsen vom Markt gnadenlos bestraft.
- Der Chart bricht: Viele Growth-Trader nutzen die 200-Tage-Linie als ultimative Reißleine. Fällt der Kurs signifikant darunter, bauen Großinvestoren Positionen ab. Folge ihnen und sichere deine Gewinne. „Don’t fight the trend.“
Fazit
Growth Investing im Jahr 2026 ist keine Zockerei, sondern angewandte Mathematik gepaart mit Zukunftsvision. Die Zeiten des billigen Geldes sind vorbei, was gut ist: Es trennt die qualitativ hochwertigen Geschäftsmodelle von den Blendern.
Deine Aufgabe ist es nicht, jede Kursbewegung vorherzusehen. Deine Aufgabe ist es, ein Portfolio aus Unternehmen zu bauen, die unsere Welt verändern, und dabei diszipliniert auf den Preis zu achten, den du für dieses Wachstum zahlst. Nutze den HGI-Score, achte auf das PEG-Ratio und hab den Mut, Gewinner laufen zu lassen und Verlierer konsequent abzuschneiden.
Dein nächster Schritt
Öffne dein aktuelles Depot. Prüfe deine drei größten Positionen. Berechne für jede einzelne das aktuelle PEG-Ratio und (falls Tech) den Rule of 40 Score. Ist die Wachstums-Thesis noch intakt oder hoffst du nur auf Besserung? Handle entsprechend der Daten, nicht der Emotionen.
Häufig gestellte Fragen zur Growth Strategie
Dein Autor

Disclaimer: Alle Inhalte dienen nur der Information und Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung dar. Investitionen an der Börse sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Krypto-Assets sind hochvolatil. Du handelst auf eigene Verantwortung.